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Bericht der Studienfahrt nach Rom vom 06.-12.08.2017


Stickige Hitze, unbarmherzig auf der Haut brennende Sonnenstrahlen, lautes Hupen und Brummeln zahlloser Fahrzeuge – in den Genuss dieser unverkennbaren audiovisuellen Erfahrung kommt man nur auf einer einzigen der angebotenen Kursfahrten. Nach einer 26-stündigen Busfahrt erreichen wir endlich die Ewige Stadt; die Stimmung ist so, wie man es nach einer derartigen Autofahrt erwarten würde. Doch das Schweigen im Bus rührt nicht nur von der allgemeinen Müdigkeit und Erschöpfung her: Aufgereiht wie Perlen auf einer Kette begrüßen uns die legendären Denkmäler, Monumente und Kathedralen der Metropole durch die sonnengewärmten Fenster des Busses. Ein Bild, das Gegensätze vereint – kaum eines beschreibt die Stadt Rom besser als dieses.

Die Koffer stehen kaum still auf den Zimmern, da wagen wir die erste Expedition auf eigene Faust durch die verwinkelten Gassen. Müll und Dreck sammelt sich in den Abflüssen, die Tonnen quillen über vor schmierigem Abfall. Dann öffnet sich vor uns der Platz der Republik, eine Symphonie aus symmetrischer Schönheit und elegantem Prunk. Zwei Paläste im Hintergrund, sie gleichen sich auf den Stein. Nicht einmal ein schmutziges Taschentuch liegt auf der Straße oder den Gehwegen am Rand.

Am Abend werden die 42°C zu erträglich(er)en 31°C, die brütende Sonne verschwindet vom Himmel. Jetzt geht das Leben erst los in Italiens größter und wohl berühmtester Stadt. Die glatten Kacheln der spanischen Freitreppe schimmern im gelblichen Licht mehrerer Scheinwerfer zwischen den hunderten von Touristen hervor, die unermüdlich in und um das Bauwerk drängen. Eine junge Frau in weißem Kleid posiert vor dem seicht plätschernden Brunnen, flankiert von ästhetisch geschwungenen Skulpturen. In ihrer Hand liegt eine rote Rose. Ein Moment der Ruhe an einem Ort, der niemals schläft.

Anders als die letzten Romfahrer unserer Schule gastieren wir in einem unscheinbaren Hotel direkt im Stadtinneren, nur ein kurzer Fußmarsch trennt uns von den imposanten Ruinen des Forum Romanum. Wie die Sonne zeigt sich auch die Stadt in voller Pracht am nächsten Tag, der uns an Überresten von antiken Tempeln und Basiliken, an mit steinernen Kuppeln versehenen Kirchen, dem schneeweißen Denkmal des Viktor Emmanuel II. und schließlich dem atemberaubenden Rondell des Kolosseums vorbeiführt, das den von der Hitze trockenen Mündern ein ehrfürchtiges Staunen abverlangt.

Ruinen grenzen an Neubauten, antike Baukunst an die Gotteshäuser der Renaissance. Jahrtausende der Geschichte blicken von ihnen auf uns herab, man fühlt sich trotz der breiten Straßen etwas bedrängt. Selbst die lebensgroßen Statuen der römischen Kaiser ringen nach zweitausend Jahren noch Respekt ab, hauchen mit ihrem erhabenen Blick den Ruinen des Forums wieder Leben ein.

Händler feilschen über Preise für Wasser und Sonnenhüte, Menschen aller Ethnien und Sprachen strömen durch die weiten Plätze und Alleen der römischen Innenstadt, sogar ein Hochzeitspaar küsst sich vor der nach Paris vielleicht romantischsten Kulisse Europas. Rom ist ein Schmelztiegel der Epochen, aber auch der Kulturen und Religionen. Die Menschen dieses von ungeahnter Ambivalenz durchzogenen Ortes sind genauso verschieden wie die Gebäude, in denen sie wohnen.

Doch nicht nur Rom liefert unverkennbares Zeugnis über die antike Glanzzeit des Imperiums, auch die sagenumwobene Stadt Pompei am Fuße des Vesuvs, die nach einer kurzen Busfahrt von 3 Stunden erreicht ist, wartet mit einzigartigen Schauwerten auf: Leichen aus Gips, erwischt von der tödlichen Aschewelle in alltäglichen Posen – im Schlaf, bei der Arbeit, mit einem Säugling im Arm. Das geschäftige Treiben der 2000 Jahre alten Siedlung erwacht in der beinahe unversehrt erhaltenen Innenstadt vor dem geistigen Auge zum Leben. Sogar eine Sauna gab es – kurios angesichts der über 40°C, denen wir in Pompei wieder einmal hoffnungslos ausgeliefert waren.

Und über den Tempeln und Häusern thront der Vulkan, Mahnmal und Wahrzeichen zugleich. Es erscheint anfangs kaum vorstellbar, dass dieser staubige Berg einmal ganze Landstriche in den Tod riss. Von den ehemals 3000 Metern Höhe sind nicht einmal mehr die Hälfte geblieben. Obwohl uns der Schweiß aus jeder Pore tropft und die Sonne sich genauso heiß anfühlt wie die Lava vor 2000 Jahren, entschädigt der wundervolle und schlichtweg atemberaubende Blick über die ganze Bucht von Neapel jede Strapaze und Mühe des Tages.

Wer an dieser Stelle aufmerksam gelesen hat, der kommt nun auf eine Sehenswürdigkeit, die in den bisherigen drei Tagen in Rom außen vor geblieben ist – eine Tatsache, der der letzte vollständige Tag in der Sommerhitze Italiens gewidmet werden sollte. Von weitem schon ragt die markante Steinkuppel des beeindruckenden Petersdomes aus den zahllosen Dächern Roms heraus, der gigantische Petersplatz vor den Toren der größten Kirche Europas hinterlässt einen ebenso starken Eindruck. Vorerst aber empfängt uns eine eigenwillige Führerin im Museum des Vatikans und begleitet durch die Gemächer der mittelalterlichen Päpste, deren Wände die Meisterwerke Michelangelos und Raphaels zieren. Mit obsessiver Begeisterung gibt die kauzige Dame ihre Interpretationen der Bilder zum Besten, die von der göttlichen Ordnung auf Erden bis zum Opiumhandel in Afghanistan reichen. Immerhin die Sixtinische Kapelle bleibt unkommentiert, in der striktes Schweigen und Foto-Verbot herrschten, an das sich alle gewissenhaft gehalten haben.

Nichts jedoch sind diese Dinge im Vergleich zu dem, was sich im Inneren des Domes befindet: Goldene Verzierungen schmücken die jahrhundertealten Mauern, riesige Fenster lassen die Sonnenstrahlen von außerhalb in einem Dunstschleier auf den kunstvoll verzierten Marmorboden strahlen. Ein Bild, das man nie wieder vergisst. Gekrönt vom Ausblick von der Kuppel, der nach schwitzigem Aufstieg durch kaum einen halben Meter breite Gänge und Wendeltreppen das vielleicht fantastischste Panorama auf die Ewige Stadt ermöglicht.

Nach rastlosen zehn Stunden aus Fußmarsch, Schwitzen und Staunen klingt die Fahrt dann am letzten Abend bei einem natürlich alkoholfreien Getränk im Trastevere-Viertel aus, in dem kleine Lokale und Kneipen in engen Gassen zum Verweilen einladen. Es ist ein malerischer Ort, bringt die Romfahrt wunderbar auf den Punkt. Wie ein gutes, letztes Kapitel, nur dass es in diesem Fall nicht das letzte ist.

Denn auch wenn nur noch wenige Stunden bis zur heiß ersehnten Rückfahrt verbleiben, sollen diese natürlich nicht ungenutzt bleiben: Ob nun nach einem kühlen Bad am Strand Ostias oder der Besichtigung einer weiteren römischen Siedlung – mit einem Gefühl der Zufriedenheit steigt jeder der 26 Mitfahrer in den Bus ein, der sich wieder auf den beschwerlichen Weg nach Deutschland macht. Die Sonnenbrände oder die braune Haut werden in ein paar Wochen verschwunden sein, doch was bleibt, ist die Erinnerung an eine außergewöhnliche Kursfahrt, die sich nicht nur wegen der Sommerhitze in die Gedächtnisse der Schüler eingebrannt hat.

Dank gebührt an dieser Stelle noch den Reiseführern unserer Touren, die mit zumeist hervorragenden Deutschkenntnissen und interessantem Fachwissen die Ausflüge bereichert haben. Insbesondere sind dabei Antonio und Alfredo zu erwähnen, die den Besuch des Vesuvs ermöglicht haben (Herr Ter Hell ist der berechtigten Überzeugung, dass Antonio auch nebenbei als Mafiaboss arbeitet). Und natürlich auch unseren Lehrern Herr Warschau und Herr ter Hell, die die Fahrt mit entspannter Souveränität begleitet und gestaltet haben.

Leon Willenbockel




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